Vom Überleben zur Berufung

Wie Tudor Doina zu seinem Dienst bei HTO fand

Die Lebensgeschichte von Tudor Doina ist geprägt von tiefen Brüchen, großer Not und einem Wandel, den er selbst lange für unmöglich gehalten hätte. Gemeinsam mit seiner Schwester aufgewachsen in einem abgelegenen Dorf in Moldawien – in Armut, die kaum zu beschreiben ist. Eine Kindheit die von Angst, Ausgrenzung und einem ständigen Mangel an allem, was man zum Leben braucht, bestimmt war. Im Folgenden berichtet er selbst:

Wie aus Schmerz Berufung wird

Alkoholmissbrauch gehörte in meiner Familie zum Alltag, ebenso wie Gewalt. Oft hatten wir nichts zu essen. Es kam vor, dass meine Schwester und ich auf die Müllhalde gingen, um dort nach Nahrung oder Kleidung zu suchen. Wir waren ausgegrenzt, wurden verspottet und gemieden. In dieser Zeit fühlte sich mein Leben oft hoffnungslos an.

Ein erster Wendepunkt kam, als wir in ein Internat aufgenommen wurden. Dort begann sich mein Leben langsam zu verändern. Zum ersten Mal erlebte ich eine gewisse Struktur und Stabilität. Auch wenn vieles weiterhin schwierig blieb, öffnete sich für mich eine neue Perspektive.
Während der Sommerferien kam oft ein Team von christlichen Missionaren, die Bibelunterricht durchführten und mit uns Zeit verbrachten. Durch diese Treffen hat Gott mein Herz mehr und mehr verändert, bis ich IHM schließlich mein Leben übergab.
Später führte mein Weg nach Chișinău, wo bei mir der Wunsch aufkam, Sozial-
arbeiter zu werden. Meine eigenen Erfahrungen hatten in mir den Wunsch geweckt, Kindern zu helfen, die Ähnliches durchleben müssen, wie ich damals.

Kein gerader Weg – aber der richtige

Mein Weg war jedoch nicht geradlinig. Zunächst machte ich eine Ausbildung zum Konditor. Doch tief in mir wusste ich, dass dies nicht mein eigentlicher Weg war. Schließlich bekam ich die Möglichkeit, Sozialarbeit zu studieren. Drei Jahre lang lernte ich und legte damit den Grundstein für meine heutige Arbeit.
Während meines Studiums begann ich, mich in sozialen Projekten zu engagieren. So kam ich zu Hoffnungsträger Ost. Anfangs war ich dort ehrenamtlich tätig, doch
Schritt für Schritt entwickelte sich daraus meine heutige Aufgabe, die darin besteht, Familien und Kinder in schwierigen Lebenssituationen zu betreuen.
Wenn ich sie besuche, ihnen Lebensmittel bringe oder einfach zuhöre, tue ich das nicht nur aus fachlicher Sicht, sondern vor allem mit Einfühlung und Verständnis. Ich weiß, wie sich Hunger anfühlt. Ich kenne Scham und Schmerz aus eigener Erfahrung. Genau das hilft mir, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen.

Blick auf die Vergangenheit

Ein besonders wichtiger Teil meines Lebens ist auch die Veränderung in meiner eigenen Familie. Trotz allem, was wir erlebt haben, konnte ich meine Eltern auf ihrem Weg aus der Abhängigkeit unterstützen. Meine Mutter hat ihr Leben neu aufgebaut. Für mich ist das ein Zeichen dafür, dass Veränderung bei Gott möglich ist – auch wenn es noch so unmöglich erscheint.
Heute blicke ich ohne Bitterkeit auf meine Vergangenheit zurück. Die schweren Erfahrungen haben mich geprägt und letztlich dorthin geführt, wo ich heute stehe. Sie sind der Grund, warum ich heute anderen helfen kann.
Meine Geschichte zeigt mir jeden Tag:
Mit Gottes Hilfe kann auch aus den schwierigsten Umständen etwas Neues entstehen. Und genau diese Hoffnung möchte ich als „Hoffnungsträger“ weitergeben.

Zeitschrift 2026 Nr.2

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